Traumschleife Fünfseenblick

Nach dem wir jetzt sowohl in der Eifel (z.B. Traumpfad Bergheidenweg) als auch an der Mosel (z.B. im Dortebachtal) wandern waren, wird es Zeit auch mal das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal zu genießen. Wir entscheiden uns für eine Wanderung der Traumschleife Fünfseenblick.

Über die Strecke:
Länge: 10,4 km
Höhenmeter: 552 Höhenmeter
Schwierigkeit: Mittel
Dauer: 3-4 Stunden (Gehzeit)
Durch das Deutsche Wanderinstitut mit 78 Erlebnispunkten ausgezeichnet.

Als wir das Höhenprofil der Tour sehen, müssen wir erstmal kurz schlucken. Dieser Berg da sieht ganz schön heftig aus. Aber jetzt sind wir hier, jetzt wandern wir die Traumschleife auch! Keine Ausreden!

Ausgangspunkt der Tour ist der Kurpark in Bad Salzig. Hier befinden sich genug Parkplätze (Salzbornstraße), sodass wir keinerlei Schwierigkeiten haben einen Parkplatz direkt am Einstieg zur Traumschleife zu ergattern.

Bad Salzig liegt linksrheinisch und ist einer der zehn Ortsbezirke der Stadt Boppard. Zu den Sehenswürdigkeiten in Boppard zählt der Kurpark, in welchem sich die Leonorenquelle befindet. Bei der Leonorenquelle handelt es sich um eine Glaubersalzquelle. Leider ist die Trinkhalle im historischen Bäderhaus bei unserem Besuch geschlossen gewesen.

Historisches Bäderhaus im Kurpark Bad Salzig

Wir queren den Salziger Bach und zunächst führt uns die Traumschleife ein Stück durch den Kurpark mit seinen historischen Baumbeständen. Voller Freude stoßen wir nach wenigen Metern auf ein Alpaka Gehege!

Auf Grund einer Baustelle an der Kurklinik wird der Weg zum Zeitpunkt unserer Wanderung umgeleitet. Die Umleitung ist aber einwandfrei ausgeschildert und so erreichen wir sehr bald wieder unseren Hauptweg. Wir stellen fest, dass dieser Abschnitt nicht nur zu unserem Rundwanderweg gehört, sondern sehr beliebt zu sein scheint 😀

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten in Bad Salzig zählt die Pfarrkirche St. Ägidius, welche wir nach wenigen Metern Wanderung auf der Traumschleife erspähen können. Die Kirche zählt zur Neogotik. Benannt wurde die Kirche nach dem heiligen Ägidius von St. Gilles, wie uns eine Informationstafel erzählt.

Langsam geht es bergauf. Mit 12-13% Steigung geht es erst über einen schmalen Pfad, der von Grünzeug umsäumt ist, und dann geht es über Waldpfade und Schieferstein. Aber schon nach wenigen Minuten werden wir mit einer gemütlichen Bank belohnt, die uns am Aussichtspunkt „Köppchen“ einen Blick über Boppard beschert und auf die beiden gegenüberliegenden Burgen…aber dazu kommen wir später nochmal an geeigneter Stelle 😉

Bereist ein kurzes Stück weiter treffen wir auf den Aussichtspunkt „Taunusblick“, der aber einen ganz ähnlichen Blick bietet. Hier wenden wir uns langsam vom Rhein ab und laufen in Richtung Weiler.

Weiter geht es durch das Tal des Ziehbachs zum nächsten Highlight der Strecke. Der Weg dahin ist allerdings etwas schwieriger. Mal erwarten uns Naturtreppen aus bspw. Schotter oder ein Stahlseil zum Festhalten bei einer schmalen Steintreppe. Auch treffen wir immer wieder auf sehr dicht bewachsene Pfade, wo man auch gerne mal in der einen oder anderen Brombeereranke hängen bleibt.

Als wir nach einem Aufstieg ein Hochplateau ereichen, treffen wir auf den Aussichtspunkt „Wingertsblick“, wo uns eine Informationstafel etwas über den Steillagenweinbau erzählt.

Schon nach wenigen Metern kommen wir zu den Aussichtspunkt „Rheinbergblick“ ,wo wir im Schatten mit einem herrlichen Blick auf den Rhein Pause machen. Faktisch direkt daneben befindet sich die „Betende Nonne“. An diesem Aussichtspunkt befindet sich seit 2006 eine Holzfigur, die an den bis Mitte des 20. Jahrhunderts hier stehenden Felsen erinnert, der den Eindruck einer betenden Nonne erweckte.

Der Name kommt aber nicht von irgendwo, sondern es rankt sich eine Legende um ihn: Aus dem Weiler Kloster wollten die Nonnen im Dreißigjährigen Krieg fliehen als die schwedischen Truppen nahten. Allerdings schafften die Nonnen es nicht, sondern wurden brutal ermordet. Lediglich einer Nonne gelang die Flucht und sie rettet sich auf den Felsen, wo sie zur Mutter Gottes betete und darum bat, dass ihre Verfolger sie nicht erwischen würden und sie schnell zu Stein erstarre. Als ihre Verfolger den Felsen erreichten, war die Nonne weg. In dem Glaube, dass sie abgestürzt sei, steigen die Soldaten hinab zum Rhein, wo sie die versteinerte Nonne mit zum Gebet gefalteten Händen fanden.

Auch von hier hat man einen herrlichen Blick auf den Rhein und die den Ort Kestert auf der gegenüberliegenden Rheinseite.

Auf dem Hochplateau treffen wir übrigens auf eine mit Schmetterlingen übersähte Blumenwiesen, Mohnblumen und über uns kreist ein Greifvogel Paar – wir fanden sie ein kleines bisschen beunruhigend zu nah :O

Wir nähern uns über offene Felder weiter dem Ort Weiler – wobei Ort zu viel gesagt ist, denn Weiler ist ein weiterer Stadtteil von Boppard. Wer möchte, kann hier einen Abstecher zur St. Peter Kirche in Weiler machen. Wir gehen allerdings die Traumschleife weiter nach links statt rechts in den Ort abzubiegen.

Während sich uns links wieder der Blick auf den Rhein eröffnet, befindet sich rechts von uns eine Bruchsteinmauer mit einem Kreuz aus Quarzsteinen, welches zwischen 1900 und 1920 in die Mauer eingesetzt wurde. Eine Informationstafel erzählt uns, dass ein Reiterunglück der Anlass war. Auf dem Weg zur Mühle sei ein Reiter von seinem Pferd gestürzt und verstorben. Hier sehen wir auch das erste Mal den gebänderten Pinselkäfer – wieder was gelernt ^^

Auch wir sind auf dem Weg zur Weilbachmühle, wie der Reiter. Nachdem wir den Weilerbach überquert haben, beginnt der fiese Anstieg, den wir anfangs auf der Informationstafel gesehen haben – über 250 Höhenmeter erwarten und auf den nächsten knapp 3 km Weg.

Weilerbach

Wir müssen ehrlich sagen, dass der Anstieg auf dem Höhenprofil anspruchsvoller aussah, als er letztlich ist. Da sich die Höhenmeter über eine relativ weite Strecke verteilen, ist der Anstieg in großen Teilen relativ flach. Lediglich drei Teilstücke zeigt uns Komoot in rot und mit einer Steigung von 14-15% an. Außerdem bietet der Weg, der zunächst neben dem Weilerbach verläuft, auch optische Abwechselungen. Auf den Bach folgt ein Stück mit etwas lichterer Vegetation, aber viel Moos – irgendwie müssen wir schmunzeln. Zwischendrin gibt es auch ein Wegstück zwischen Getreidefeldern. Die einzige Stelle, die uns während des Aufstieges nicht ganz so gefällt, ist die Querung der Rheingoldstraße. Hier sollte man Augen und Ohren gut offen halten und dann wirklich zügig auf die andere Straßenseite spurten.

Wer unterwegs Pause machen möchte, finde knapp einen Kilometer nach Querung der Rheingoldstraße eine Bank an dem Aussichtspunkt „Vogelbergruh“. Also der Ausblick ist ja schon mal ganz hübsch, aber wir wollen nach ganz oben 😉

Ausblick vom Aussichtspunkt „Vogelbergruh“

Es geht stetig weiter bergauf und wir nähern uns der Fleckertshöhe, welches ein Berg ist, der knapp 530 Meter über NN liegt. Zum Einen heißt dieser Berg so und zum Anderen ein direkt daneben liegendes Örtchen, welches zu Weiler gehört. Die Fleckertshöhe ist die höchste Erhebung der Stadt Boppard und ebenso des vorderen Hunsrück. Nach nur wenigen Metern lädt der Aussichtspunkt „Rheingoldblick“ dazu ein die unfassbare Aussicht in das Rheintal zu genießen. Herrlich, wir haben es geschafft, wir sind oben!

Langsam führt der Weg sanft wieder abwärts und nach etwa einem halben Kilometer erreichen wir den Aussichtspunkt Fünfseenblick. Der 27 m hohe Aussichtsturm bietet einen unglaublichen Ausblick in das Rheintal und in den Hunsrück, die Eifel, den Taunus und den Westerwald.

Von nun an geht es nur noch bergab. Wir queren die Rheingoldstraße, wo sich auch für die Autofahrer ein einladender Parkplatz befindet. Hier laden Picknickbänke und Sitzbänke dazu ein den herrlichen Blick auf die zwei Brüder zu genießen.

Immer wieder während unserer Wanderung haben wir einen Blick auf die gegenüberliegenden Rheinseite, wo zwei Burgen eng beieinander trohnen. Dabei handelt es sich um die Burg Liebenstein und die Burg Sterrenberg. Besonders von diesem Aussichtspunkt hat man einen herrlichen Ausblick, welchen man auf einer Picknickbank genießen kann. Um die beiden Burgen ringt sich die deutsche Sage der „Feindlichen Brüder„, welches ihnen auch den entsprechenden Beinamen einbrachte. Passenderweise finden wir hier ein Informationsschild mit dem Gedicht „Zwei Brüder“ von Heinrich Heine, welches sich ebenfalls mit dieser Sage beschäftigt.

Von diesem Aussichtspunkt kann auch auch das Naturschutzgebiet „Hintere Dick – Eisenbolz“ sehen. Hier befinden sich Streuobstbestände und -wiesen, was einigen bedrohten Pflanzen- und Tierarten eine Heimat bietet. Früher war dies ein Zentrum des Anbaus von Kirschen und auch heute noch wächst in diesem Gebiet die berühmte Mittelrheinkirsche. Okay, wieder was gelernt 😀 Nun geht es aber wirklich wieder ab in den Wald und zurück Richtung Parkplatz.

Naturschutzgebiet „Hintere Dick – Eisenbolz“

Während wir in sanften Serpentinen den Berg langsam runtergehen, hören wir auf einmal direkt neben uns ein hochfrequentes Fiepsen. Neugierig nähern wir uns einem Baum am Wegesrand, welcher ein kreisrundes Loch im Stamm hat. Wir sind uns sicher, dass da hinter ein paar hungrige Küken auf ihr Futter warten. Und nur wenige Minuten später erwischen wir diesen Buntspecht mit Futter im Schnabel:

Buntspecht-Männchen beim Füttern des Nachwuchses

Beiderseits des Rheins (zwischen Koblenz und Bacharach) erstreckt sich das Vogelschutzgebiet „Mittelrheintal“, sodass eine solche tierische Begegnung nicht weiter überraschen sollte. Auf dem 15.153 Hektar großem Areal finden sich viele geschützte Vogelarten, wie bspw. das Haselhuhn, der Uhu, der Schwarzstorch, der Schwarz-, der Mittel- und der Grauspecht, der Wanderfalke, der Neuntöter, der Schwarz- und der Rotmilan, der Wespenbussard und viele weitere.

Wir queren ein letztes Mal die Rheingoldstraße bevor wir wieder im Kurpark von Bad Salzig ankommen. Die Rheingoldstraße ist übrigens eine 72,3 km lange Panoramastraße, die durch den Vorderhunsrück führt.

Wir laufen die letzten Meter durch den großen Kurpark bevor wir wieder unser Auto erreichen und unsere heutige Wanderung beenden.

Fazit:

– Richtig gut gefallen haben uns unterwegs die vielen Informationstafeln, die uns mal über die Orte oder mal über historische Ereignisse informierten. Bringt eine schöne Abwechslung in die Wanderung.
– Der Weg ist sehr gut ausgeschildert. Wir hatten an keiner Stelle Schwierigkeiten dem Weg zu folgen.
– Sehr viele Aussichtspunkte, die auch immer eine Bank haben, welche zum Verweilen einlädt.
– Abwechselungsreiche Weg und Landschaften (mal geht es durch Wälder, mal durch Wiesen, mal auf breiten landwirtschaftlichen Wegen, mal auf schmalen Pfaden).
– herrliche Ausblick – nicht nur ins Rheintal, sondern auch in den Westerwald, den Taunus, die Eifel und den Hunsrück.
– Das mit den fünf Seen haben wir irgendwie nicht so ganz kapiert 😀 Durch den kurvigen Verlauf des Rheins soll die Illusion von fünf Seen erweckt werden. Wir finden man muss das jetzt nicht unbedingt sehen – die Aussicht ist auch so einfach herrlich =)

Wir wünschen euch viel Spaß beim Nachwandern,

Eure Sakuschi

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